Umstieg von synthetischen auf natürliche Kältemittel
Zurzeit findet in der Wärmepumpenbranche ein Umbruch statt: Der Umstieg von synthetischen auf natürliche Kältemittel. Der Wandel sowie die Revisionen von Verordnungen werfen Fragen auf. Wir klären die wichtigsten Punkte.
Kältemittel – Schlüsselrolle im Wärmepumpenprozess
Kältemittel in Wärmepumpen nehmen eine wichtige Funktion im Prozess des Wärmetausches ein und haben dadurch einen signifikanten Einfluss auf die Effizienz der Anlage. Bis anhin verwendete synthetische Kältemittel wie R-134a oder R-410A weisen sehr vorteilhafte thermodynamische Stoffwerte auf, sind gering entflammbar und nur in sehr grosser Konzentration toxisch wirkend. Deswegen waren solche Kältemittel bisher sehr beliebt beim Einsatz in Wärmepumpen. Doch fluorierte Gase (auch bekannt als F-Gase) sind schwer abbaubare Substanzen und haben im Falle einer – wenn auch unwahrscheinlichen – Leckage eine erhöhte Treibhauswirkung. Deswegen werden neuerdings Lösungen mit natürlichen Kältemitteln wie Propan entwickelt.
Kältemittel in Wärmepumpen – Informationen & gesetzliche Anforderungen
Die Schweiz hat mit der Revision der Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung (ChemRRV) umfangreiche neue Vorschriften beschlossen, die ab 2025 und 2027 gestaffelt in Kraft treten. Diese engen den Einsatz bestimmter synthetischer Kältemittel stark ein und fördern klimafreundliche Alternativen.
Inverkehrbringung betroffen
Es müssen keine Bedenken bestehen, dass eine bestehende Wärmepumpe mit den aktuell eingesetzten Kältemitteln in Zukunft nicht mehr gewartet oder repariert werden könnte. Die Regelungen in der Schweiz sowie die anstehende Revision betreffen vorwiegend die Inverkehrbringung neuer Anlagen, nicht aber den Betrieb bestehender Wärmepumpen. Bestehende Wärmepumpen, die mit Kältemitteln mit einem GWP < 2500 betrieben werden (z. B. R 410A, R 134a oder R 454C) – und damit allen marktüblichen Kältemitteln, die Stiebel Eltron in den vergangenen Jahren eingesetzt hat, können somit weiterhin und bis zum Ende ihrer Lebensdauer betrieben werden. Betreiber solcher Anlagen werden nicht durch rechtliche Vorgaben zu einem frühzeitigen Anlagenersatz gezwungen werden. Auch das Nachfüllen gängiger Kältemittel (GWP < 2500) in bereits installierten Wärmepumpen wird nicht verboten.
Welche Regeln gelten für Wärmepumpen in der Schweiz?
Unsere verwendeten Kältemittel und ihr GWP-Wert*:
| Kältemittel | GWP-Wert |
|---|---|
| R-290 | GWP 3 |
| R-410A | GWP 2088 |
| R-407C | GWP 1774 |
| R-134A | GWP 1430 |
| R-452B | GWP 698 |
| R-454C | GWP 148 |
*Der GWP-Wert (Global Warming Potential) vergleicht die Wirkung eines Kältemittels auf den globalen Treibhauseffekt mit jener von Kohlendioxid.
Fristen
| Variante | Restriktionen | STIEBEL ELTRON-Geräte | Abverkaufsfrist | Verboten* |
|---|---|---|---|---|
| Luft-Wasser-Wärmepumpen aussen | <50kW mit GWP >150 | PL 09/13/17 Classic, WPL 19/24, WPL 10/13, WPL 20/25 | ab 01.01.2027 | ab 01.07.2027 |
| >50kW mit GWP >150 | ab 01.01.2030 | |||
| GWP <150 (R454c) | WPL-A 05/07 | ab 01.01.2032 | ||
| Luft-Wasser-Wärmepumpen innen | WPL 19/24, WPL 09/17 ICS/IKCS, WPL 13 E | ab 01.01.2027 | ab 01.07.2027 | |
| Sole-Wasser-Wärmepumpen | <50kW mit GWP >150 | WPE-I 33/44 | ab 01.01.2027 | ab 01.07.2027 |
| >50kW mit GWP >150 | WPE-I 59/87 | ab 01.01.2030 | ||
| GWP <150 (R454c) | WPE-I 04/06/08/12/15 Premium | ab 01.01.2032 |
*Wärmepumpen, die bereits installiert sind oder bis zum Datum des Inverkehrbringungsverbots in Verkehr gebracht wurden und einen GWP <2500 aufweisen, dürfen bis zum Ende ihrer Lebensdauer betrieben, gewartet und bei Bedarf repariert werden.
Propan – das effiziente natürliche Kältemittel
Der Umstieg auf natürliche Kältemittel ist beschlossene Sache. Die Hersteller arbeiten auf Hochtouren an der Anpassung der notwendigen Komponenten. Propan gilt dabei für viele als Mittel der Wahl. Propan ist ein ausgezeichnetes Kältemittel, welches sehr effiziente Wärmepumpenprozesse ermöglicht. Jedoch ist es leicht entzündlich. Dies ist allerdings nur problematisch, wenn es aus dem geschlossenen Kältekreis austritt, was in der Regel über die gesamte Lebensdauer der Anlage nicht vorkommt. Bei der Entsorgung der Anlage wird das Kältemittel separat abgesaugt und wieder aufbereitet. Spezielle Sicherheitsvorkehrungen sind deshalb bei Aussenaufstellungen im Normalfall nicht notwendig. Zudem ist die Menge des Kältemittels in einer Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus relativ klein (ca. 3kg im Vergleich zu ca. 5-10kg bei einem handelsüblichen Gasgrill). Deshalb reicht bei einer innen aufgestellten Wärmepumpe in den meisten Fällen ein Luftabzug nach aussen als Sicherheitsmassnahme aus.
FAQ - Die häufigsten Fragen
Hohe Anforderungen an die Sicherheit
Natürliche Kältemittel haben im Vergleich zu synthetischen den grossen Vorteil, dass ihr Einfluss auf das Klima gering ist. Propan beispielsweise weist ein tiefes Erderwärmungspotenzial (GWP) auf. Mit R290 können hohe Effizienzwerte und Vorlauftemperaturen erreicht werden, jedoch ist es leicht entzündlich. Daher müssen bei seinem Einsatz entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.